Da war ich dann doch überrascht. Bei Bild war zu lesen, dass es vielleicht bald Möglich sein wird „in“ und nicht „auf“ bzw „an“ der Alster zu baden. Die beiden Schwimmbadmodelle sind ja nun bekannt. Bei dem einen schwimmt man „auf“ der Alster – in entsprechenden Badebecken – bei dem anderen „an“ der Alster.
Daher für mich nicht interessant, ich will ja „in“ der Alster schwimmen. Und genau das erklärt die Bild nun für Möglich (hier der Artikel). „Das Schwimmen in der Alster ist zwar nicht gänzlich verboten, die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) rät aber unter anderem wegen des trüben Wassers bislang dringend davon ab. ´Die Sichtweite beträgt nicht einmal einen Meter. Das kann zu Verletzungen führen`, erklärt Sprecher Volker Dumann. Mit dem neuen System könnte das Baden bald ganz offiziell erlaubt werden“ [Bild.de].
Obwohl es sich um einen Artikel der Bild handelt – hier hätte ich wohl kritischer werden sollen – musste ich der Sache nachgehen. Berlin macht es schon, Hamburg könnte es machen, die Lösung bietet Luritec, dessen Homepage mir dann aber gleich jede Hoffnung nahm [Homepage von Luritec].
Die Berliner bauen offenbar, so verstehe ich zumindest das Video von Luritec, Auffangbecken für Mischwasser im Wasser. Kurz: Vor den Überläufen, die bei Starkregen Schmutzwasser in die Alster abgeben, werden „in“ der Alster Tanks gebaut, die dieses Wasser auffangen. Ist der Regen vorbei, die Kanalisation wieder frei, wird das Wasser zurückgegeben [vgl. Video von Luritec auf ihrer Homepage].
Ja, aber dass ist wohl nicht das Problem von Hamburg liebe Bild! Ja, nach Starkregen soll man nach Aussagen an verschiedenen Stellen nicht in der Alster schwimmen [vgl. u.a. Kemper, 2006:145] . Angesichts der Wasserwerte, die für den Cityman erhoben werden, kann man aber doch zumindest die Hoffnung haben, dass die Wasserqualität heute bereits ausreichend ist. An dieser Stelle sei ein neu gefundenes Zitat von Michael Beckereit (Hamburger Wasserwerke), erwähnt:
„Wir sind stolz darauf, dass wir die Alster so sauber gemacht haben, dass die Sportler darin völlig unbedenklich schwimmen können. Das ist für ein Innenstadtgewässer absolut außergewöhnlich – und damit ein klarer Pluspunkt für Hamburg“ [Quelle: Homepage der HWW].
„Völlig unbedenklich“, dass hört sich doch gut an. Und auch die Bild hat erkannt, dass es wohl nicht um die Wasserqualität, sondern um die Sichttiefe geht. An dieser Ändert jedoch auch ein Aufangbecken nichts, den es ist nicht der Dreck, der die Alster trübe macht. Wie Polyplan in ihrem Gutachten schreiben, sind es die Huminstoffe aus dem moorreichen Oberlauf die die Sichttiefe einschränken [vgl. Polyplan 2008:06].
Naja, aber es zeigt zumindest, dass es (A) offenbar ein Schwimminteresse gibt und (B) es einige Firmen gibt, die mit der Alster Geld verdiehnen wollen.
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Kemper, Hella. (2006): Elbschwimmer – Die Rückkehr einer Badekultur. Murmann