Sie ist der See der Seen, das Mecka der Schwimmwelt. Was kann man sich schöneres Vorstellen als mitten in der Stadt zu schwimmen – vor der Kulisse und wer mag kann locker 3 Km ohne Wende seine Bahn ziehen. Wunderbar!
Dabei war das Schwimmen in der Alster wohl durchaus mal gängig. 1792 soll an der Schwanewik das Schwimmbad Alsterlust. In der Morgenpost fand sich letztes Jahr einmal ein Foto dieser Badeanstallt. Traumhaft, ein wenig googeln lohnt sich hier für den Interessierten, das Urheberrecht verbietet es hier das Bild zu übernehmen. Mit dem zweiten Weltkrieg war dann der Badespaß in der Alster beendet, das Bad schloss seine Türen.
Nun die Wende. Der Bürgermeister unterbricht seinen Sommerurlaub und verkündet, dass ein neues Schwimmbad kommen wird. Heiße Luft oder nicht, dass wird sich zeigen. So oder so, entspricht es nicht dem, was in diesem Projekt gesucht wird. Schließlich soll Badewasser in Boote gefüllt werden und in dem dann gebadet werden. Anders formuliert soll also in einer Badewanne in der Alster gebadet werden – Absurd. Etwas Hoffnung macht da die Forderung nach einem Naturbad an gleicher Stelle, warten wir es ab.
Dabei stellt sich doch zunächst die Frage, ob man in der Alster überhaupt schwimmen kann. Wer weiß das schon so genau, aber an verschiedenen Stellen ist zu lesen, dass die Alster Badewasserqualität haben soll, jedoch eine zu geringe Sichttiefe [vgl. u.a. hamburg-web.de]. Andere Artikel sprechen dagegen davon, dass die Alster eine Badewasserqualität nicht erreichen würde, da nach heftigen Regen die Siele immer noch über die Alster ihren Überlauf hätten [vgl. u.a. Wikipedia].
Ratlos bleibt der Schwimmer, darf er oder darf er nicht? Dabei Schwimmen doch jedes Jahr die lauter Sportler beim Cityman in der Alster und entsprechend wird für diesen Wettkampf auch die Alster untersucht. Die Ergebnisse finden sich auf der Homepage der Behörde Hygiene und Umwelt [hier]. Hier wird leider nur an der Binnenalster – und kurz davor – gemessen, und auch nur bis zum Wettkampf, die Ergebnisse lesen sich für mich als Laie jedoch ganz nett. Offenbar hat die ITU strengere Maßstäbe als das Badewasser und so beschließe ich für mich, dass ich in der Alster baden kann. Möge sich jeder sein Urteil machen.
Aber ist es den auch erlaubt? Ja, das weiß ich auch nicht so genau. Zur Sicherheit rief ich bei der Wasserschutzpolizei an, die müssten dies ja wissen. Natürlich Fragte ich nicht nach der Alster, sondern allgemein. Der nette Herr war jedoch von meiner Frage etwas überfordert, so dass er versprach sich zu erkundigen und mich zurück zu rufen. Das tat er auch und teilte mir mit, dass es überall da nicht verboten sei, wo keine Schilder stehen würden. Es währe jedoch auch nicht erlaubt, wenn es nicht als Badestelle ausgewiesen ist. Badestellen müssten bestimmten Anforderungen genügen, das tut etwa der Stadtparksee nicht. Aber es sei halt auch nicht verboten. Möge auch hiermit jeder Anfangen was er möchte. [Da dieser Text für so viele Stellen gilt, wird er wohl öfter auftauchen müssen]
Praktisch ist es jedoch etwas komplizierter auf der Alster zu schwimmen. Neben Kanus und Segelboten fahren auch Fähren über die Alster. An schönen Tagen wimmelt es wie in einem Armeisenhaufen. Ob da ein kleiner Kopf wirklich auffällt? Wohl kaum und auch eine Badekappe in Gelb oder Rot wird wohl eher für eine Boje gehalten als für einen Schwimmer. Kurz, es ist nicht nur eine Gefahr, sondern stresst auch beim Schwimmen und trübt damit den Spaß.
Der geübte beobachter wird jedoch feststellen, dass nicht immer so viel los ist auf der Alster. Mit dem Abend verschwinden die Segelboote ebenso, wie sie am frühen morgen nur sehr selten sind. Und auch die Alsterdampfer fahren sehr viel seltender. Zwar verringert sich zu diesen Zeiten die Warscheinlichkeit eines zusammentreffens, wenn ein Schiff sich auf den Weg macht einen zu treffen tut es dies jedoch auch, da nun keine Chance mehr besteht gesehen zu werden.
In diesem Projekt wurde daher eine Alternative gewählt: Das Begleitkanu. Es bietet zum einen die Möglichkeit sich bei nahendem Schiff festzuhalten und ist sehr viel besser zu sehen. Zudem kann der Mensch im Kanu auch die Alster sehr viel besser überblicken als der Schwimmer und so kann das Wasser vertrauensvoller genutzt werden. Um hier aber noch einmal deutlich zu werden, eine Gefahr bleibt es. Geht man etwa unter, so ist die Warscheinlichkeit klein gefunden zu werden – allein schon wegen der Sichttiefe!
Das Schwimmerlebnis allerdings ist kaum vergleichbar. Man weiß auf der einen Seite wo man sich gerade aufhält, hat eine wunderbaren Rahmen, dass Wasser ist einfach nur herlich und die Ruhe am Abend überraschend. Für mich das Größte: Einfach mal am Stück schwimmen, ohne umzudrehen! Selbst im Stadtparksee muss alle 300 Meter gewendet werden, dass entfällt hier einfach.
Möglichkeiten ins Wasser zu gehen gibt es viele. Das Problem ist dabei der Unrat! Die Sicht erlaubt es nicht vorher zu schauen wo man hintritt. Bei den vielen Bierflaschen … die dort zu vermuten sind, sicher nicht ungefährlich. Bedingt durch das Kanu ist es im Projekt jedoch nicht notwendig das tiefe Wasser zu verlassen um sich wieder ins trockene zu begeben.
Als weitere Gefahrenpunkte sind bei den ersten Versuchen auch noch Schwäne und Brücken erkannt worden. Mittels des Kanus können die Schwimmer gut vor den Schwänen geschützt werden – es fährt einfach vorher schon dazwischen – und auch die Brücken können durch das Kanu gut eingesehen werden. Für den Schwimmer allein ist es hier ein Blindflug.